Tourbericht Winter Expedition 2008

Winterexpedition im Allgäu vom 06.03. bis 09.03.2008
Ein Bericht aus Teilnehmersicht

"Je nach Witterung und Touren kann dies körperlich eine durchaus anspruchsvolle Zeit werden. Es wird sicher nicht zu jedem Zeitpunkt kuschelig und angenehm sein, sondern Erschöpfung, feuchte Klamotten und die Frage, was die Anstrengung überhaupt soll, können durchaus unsere Begleitersein."

So steht es in der Tourbeschreibung. Wir, 4 Männer im so genannten besten Alter, konnten durch die Begleitung von Stefan und Mark, diese Erfahrungen sammeln. Wir starteten unsere Tour in der Nähe des Riedbergpasses. Das Spuren durch den Neuschnee und insbesondere das Ziehen der Pulkas über einige hundert Höhenmeter bis zu unserem Lagerplatz auf einer Höhe von ca. 1500 Meter war schweißtreibend und ein ausgezeichnetes Po-Beine-Training. Nach einer Stunde Aufstieg durch die tief verschneite, herrliche Winterlandschaft erreichten wir unseren einsamen Lagerplatz auf einer Waldlichtung. Dieser war gut gewählt - weder Geräusche noch Spuren von anderen Menschen, nur noch winterliche Stille.

Unter der fachkundigen Anleitung unserer beiden Scouts ging es sofort an den Bau der Iglus. Der Bau der zwei Iglus (samt Anbau für Pia, die vierjährige Labradorhündin) war interessant und hat Spaß bereitet. Die "Klebekraft" der Schneeblöcke ist erstaunlich. Bis die Iglus bezogen waren, hatten unsere Scouts im Kochzelt schon einige Liter Wasser aus Schnee für die Zubereitung von Tee und unserem Expeditionsabendessen erhitzt. Gestärkt, von innen erwärmt und gut gelaunt ging man anschließend ins eisige "Bett". Die Nacht war bei sternenklarem Himmel - welch ein Sternenhimmel! - klirrend kalt, nicht jedoch im Iglu. Hier herrschten angenehme und komfortable Null Grad.

 

Am Freitag stand eine 8-stündigen Schneeschuhtour auf dem Programm. Wir beschlossen, über das Riedberghorn (1787 M), über den Dreifahnenkopf auf das Bleicherhorn (1669M) zu wandern und auf unbekannter Route durch den Bergwald zum Camp zurück zu kehren. Die Mühen des Auf- und Abstiegs wurden belohnt durch das wunderbare Panorama. Der Blick reichte im Westen vom Säntis über die Kette der Allgäuer Berge bis weit ins Tannheimer Tal. Im Norden bot sich die Nagelfluhkette dar und im Osten grüßte der Grünten, der Wächter des Allgäus.

 

Unsere Tagestour am Samstag führte uns über die völlig abgeschiedene Ecke des Gutswiesertals auf den Piesenkopf, 1625 M, und über die Obere Mittelalm wieder zu unserem Lagerplatz zurück, den wir weit nach Einbruch der Dunkelheit erreichten. So kamen wir auch noch in den Genuss einer Nachtwanderung. Beeindruckend an dieser Tour war die Stille und tiefe Einsamkeit. Wüsste man nicht, dass man sich im Allgäu befindet, man könnte meinen, man wäre irgendwo in Skandinavien. Es gibt nicht viele Stellen in den deutschen Alpen, wo man stundenlang wandern kann, ohne eine Menschenseele zu sehen.

 

Der Sonntag kam - natürlich - viel zu schnell. Als Abschiedsgeschenk präsentierte sich das Oberallgäu wieder von seiner schönsten Seite. Wolkenloser Himmel, prächtige Sicht. Ein Wetter zum Verweilen und Staunen über die Schönheit der Natur.

Fazit: 4 gleichgesinnte Fremde haben sich zusammengefunden und unter der Führung der Iglu-Scouts 3 1/2 tolle Tage verbracht. Wir hatten feuchte Klamotten, trockene Gaumen und mancher Aufstieg war kräftezehrend. Die Frage, was die Anstrengung überhaupt soll, stellte sich jedoch zu keiner Stunde. Zu stark war das Naturerlebnis, zu beeindruckend das Eintauchen in die unberührte Winterlandschaft, zu schön das Liegen im Schlafsack unter freiem Himmel mit einzigartigem Blick auf das Firmament. Durch die Art und Weise der Gestaltung der Tage kam Expeditionsfeeling auf - und das nur wenige Kilometer von der Zivilisation entfernt. Voraussetzungen, dass diese positiven Erfahrungen erlebt werden können, sind allerdings eine entsprechende körperliche Konstitution, die Freude an intensiven Körper- und Naturerlebnissen, die richtige Ausrüstung sowie das Glück, gleichgesinnte Teilnehmer zu treffen.

Armin

"Wir erlebten wunderschöne Tage mit ausgedehnten und anstrengenden Schneeschuhwanderungen und unvergesslichen Natureindrücken in einer herrlichen Allgäuer Bergwelt – und das bei traumhaftem Wetter. Die Nächte im Iglu gaben Anlass für philosophische Gedankenreisen und tankten einem den von Alltag leergezogenen Akku wieder auf. Trotz der Anstrengung war ich nach diesem Kurztrip ausgeruhter und ausgeglichener als andere Menschen nach einem 14tägigen Wellnessurlaub. Nochmals Danke an das IgluScout- Team"

Resümee: Den Trip stelle ich in meiner abschließbaren, geistigen Glasvitrine ab!
Volker

"So lange hatte ich davon geträumt, bestimmt auch das eine oder andere Mal darüber gesprochen. Jetzt, mit 50 Lenzen im Lebensgepäck, wurde dieser Traum durch ein Geschenk lieber Freunde Wirklichkeit. Danke vor allem an Michelangelo, den liebsten und aufmerksamsten Mitarbeiter der Welt!!!! Wie sind die Scouts, wie die Expeditionsteilnehmer, wie die zu erwartenden körperlichen Belastungen, habe ich die richtige Ausrüstung etc.?  Es macht Sinn, sich diese Fragen rechtzeitig vor Antritt der Unternehmung zu stellen und soweit wie möglich auch zu beantworten. Das erste Zusammentreffen der Truppe auf dem Riedbergpass gab sehr viel versprechende Antworten. ...”Stefan und Mark, unsere Scouts, Armin, Thomas und Volker, die Expeditionsteilnehmer sind alle samt ganz klare Typen”... das sagte mir mein Bauchgefühl – es sollte Recht behalten.
Recht behalten sollte auch Stefan mit seiner Vorankündigung. In meinen Worten: Uns erwarteten die kommenden vier Tage und drei Nächte keine Spaziergänge im winterlichen  Stadtpark mit abendlicher Wellnessbetreuung.  Im Gegenteil, die winterliche Landschaft, in die wir nur wenige Meter von der Zivilisation entfernt eintauchten, war wunderschön, authentisch, aber auch irgendwie hart, Nachts eiskalt, aber nie unfair. Wir waren Gäste inmitten dieser Natur und hatten deren Gesetze zu respektieren. Dabei halfen uns  Stefan und Mark mit Ihren wertvollen Erfahrungen, jedoch immer ohne jede Aufdringlichkeit.
Die vier Tage waren unser Ding, unsere Herausforderung, jeder von uns musste seinen Weg selbst gehen.  Wir waren, so finde ich, ein tolles Team, ohne an Individualität zu verlieren.  An dieser Philosophie, lieber Stefan, solltest du bitte fest halten. Übernachten im selbstgebauten Iglu, Ganztagesmärsche mit Schneeschuhen durch den Tiefschnee, eiskalte Haxen und leider auch Blasen, bis auf die Haut patschnass geschwitzt und zwischendurch auch mal völlig erschöpft, Abends in der originellsten Kantine der Welt sich wieder stärken, um dann gleich wieder im molligwarmen Schlafsack im Iglu zu verschwinden. Das war ein Tagesablauf, der mich im positiven Sinne an, aber nie über meine Grenzen führte - ein Supergefühl. Und je größer die körperliche Beanspruchung war, desto stärker empfand ich Geist und Seele. Diese letzt genannten Worte gebrauche ich nicht oft, meine Lebensrealität gibt mir dazu zu wenig Gelegenheit. DANKE"
Bernhard

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